Die Einsicht, dass die letzten
Naturvölker weltweit geschützt werden müssen, kam spät. Für manche
vielleicht zu spät. Nach Schätzung der Forscher des renommierten
"Worldwatch Institute" wird bis Mitte unseres Jahrhunderts die Hälfte
aller indigenen Völker nicht mehr existieren - es sei denn, es setzt
ein schneller, radikaler Wandel im Umgang mit ihnen ein.
Es gibt weltweit ca. 350 bis 400 Mio. Angehörige indigener Völker, von denen etwa 150 Mio. in traditionellen Stammesgesellschaften leben und damit zu den so genannten Stammesvölkern zählen. Diese Menschen haben für gewöhnlich eine enge kulturelle, emotionale und spirituelle Bindung an ihr Land. Ihre Lebensweise unterscheidet sich stark von den Lebensgewohnheiten der restlichen Bevölkerung.
Da viele Stammesvölker in ressourcenreichen Gebieten leben, sind Konflikte – vor allem um Landnutzungsrechte – trotz völkerrechtlich verbriefter Landrechte ein generelles Problem. Damit verbunden sind häufig rassistische Anfeindungen und Vertreibungen.
Ein besonderes Problem besteht darin, dass vielen Stammesvölkern ein fortschrittlicheres Leben nach dem Verständnis der dominierenden Gesellschaft aufgezwungen wird. Aufgezwungener „Fortschritt“ bedeutet für diese Menschen jedoch häufig das Abgleiten in Armut, Krankheit und Sucht. Am Ende steht häufig ein unwürdiger Tod. FdN/fPcN-Kampagnen haben in der Vergangenheit schon mehrfach Firmen – darunter einige der größten der Welt – dazu gebracht, sich aus Stammesland zurückzuziehen.
Freunde der Naturvölker e.V. (FdN) ist eine als gemeinnützig registrierte Menschenrechtsorganisation (Registernummer: VR 200018 AG Lüneburg) und die deutsche Sektion von friends of Peoples close to Nature (fPcN), einem weltweiten Netzwerk. Mitgliedsorganisationen im fPcN Netzwerk finden Sie verlinkt in der unteren Menüleiste. Im internationalen Schriftverkehr mit anderen Organisationen, Regierungen oder Institutionen wie die UN benutzt FdN den Namen: fPcN Germany. Unsere politische Unabhängigkeit und Arbeit wird hauptsächlich durch Spenden gesichert.
Die Arbeit von FdN reicht von Publikationen, Kampagnen, direkte
Überlebenshilfe, Flüchtlingshilfe und Landkauf für noch isoliert
lebende Völker bis hin zum Aufbau von Stammesschulen sowie Schulförderung. Für uns arbeiten zahlreiche Wissenschaftler, Autoren, Journalisten und Aktivisten, die die Arbeit von FdN tragen. Mit ihnen vereinen sich fast 20 Jahre Erfahrung nicht nur am Schreibtisch, sondern auch im Feld bei den Völkern vor Ort.
FdN gründete sich 1991 aus ehemaligen aktiven Mitgliedern der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Gründe waren u.a. vor allem die Marginalisierung der sensibelsten aller Kulturen, der Jäger- und Sammlervölker, in der Politik und Arbeit der GfbV. Der Fokus der GfbV liegt zu 90 Prozent (Statistik der Pressemitteilungen) bei den sogenannten Grossvölkern wie Sinti und Roma, Tibetern, Kurden oder Religionsgemeinschaften wie den irakischen Christen.
FdN arbeitet weltweit für die Bewahrung der kulturellen Vielfalt und unterstützt insbesondere die Kleinstvölker (auch Altvölker genannt) bei ihrem Kampf ums kulturelle Überleben wie Pygmäen, San (Buschmänner), Papua oder Negritos u.a. wie es auch von der UNESCO gefordert wird. Die von der UNESCO verabschiedete Magna Charta der internationalen Kulturpolitik verankert das
Menschenrecht auf kulturelle Selbstbestimmung im Völkerrecht. Wie die UNESCO betrachten wir die kulturelle Vielfalt als genauso bewahrenswert wie die biologische Vielfalt auf unserem Planeten. Das bedeutet, dass Existenz- und Identitätssicherung oberste Priorität für den Erhalt der Kulturen haben.
FdN sieht sich als Fürsprecher und Sprachrohr jener Indigenen Völker, die das Recht nach eigenen Traditionen für sich beanspruchen. Das heißt, dass diese Völker selbst über ihre Zukunft entscheiden (Free, Prior and Informed Consent) und wir diese Entscheidung respektieren und unterstützen. Dieser Ansatz der freien Selbstbestimmung entspricht ebenso den Forderungen der Vereinten Nationen. FdN wird in dieser Hinsicht also erst dann aktiv, wenn sich jene Völker mit der Bitte um Beistand an uns wenden und wir damit autorisiert sind. Das impliziert auch, dass sich FdN gegen jede Form von Außen aufgesetzter und typisch westlich geprägter Entwicklungsideologie wendet.
Wir stehen Naturvölkern im Rahmen unserer Möglichkeiten mit Rat und Tat gegen lebensraumzerstörende Aktivitäten der Großindustrie, nationalstaatlicher Regierungen und deren Programme zur Vertreibung der Indigenen zur Seite. Wir sehen Indigene als ganzheitlichen Bestandteil des Naturschutzes und nicht wie einige Naturschutzorganisationen im dualistischen Sinne als Hindernis.
Organisationsstruktur von Freunde der Naturvölker e.V.
Vorstand:
1. Vorsitzender: Steffen Keulig
2. Vorsitzender: Bernd Wegener
3. Vorsitzender: Andreas Schoeller
Naturvölker Referate:
Südliches Afrika: Werner Doll, Daniel Habenicht
Philippinen: Hannes Rücker, Martin Pachner
Südamerika: Thierry Sallantin, Bernd Wegener
Nordamerika: Bernd Wegener, Günter Hermeier
West Papua, Ost- und
Zentralafrika: Steffen Keulig, Julian Bauer,
Arbeitsbereiche:
Internetauftritt: Robin Gläß, Nakia Kuan
Digitale Medien: Hans-Jürgen Schwarz, Thomas Schuler
Layout: Ralf Koglin, Raimund Driesen
Übersetzungen: Jessie Rautenstrauch, Ute Brach, Marielle Lansik,
Inka Sachse, Doris Martinez, Thomas Schuler
Künstlerischer Beirat: Alexander Graf zu Rantzau, Silvana Watermann, Gabi Wendland
Publikationen: Bernd Wegener
Finanzen, Behörden und Rechtswesen: Andreas Schoeller
Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. Karl-Heinz Ignatz Kercher
Internationale Kontakte: Steffen Keulig
Definition:
Zunächst muss klar festgestellt werden, dass keiner der heute verwendeten Begriffe wie Indigene Völker, Stammesvölker oder Naturvölker eindeutig und per Definition Allgemeingültigkeit besitzt. Im breiten Sprachgebrauch werden die Wörter Naturvölker, Indigene,
Eingeborene, Ureinwohner und Stammesvölker für gewöhnlich gedankenlos
gemischt. Alle diese Bezeichnungen haben jedoch auch mit jeweiligen
Menschengruppen mit sehr spezifischen äußeren und damit sicherlich auch
inneren Erbmerkmalen zu tun.
Das Wort Ureinwohner oder Autochtone soll ausdrücken, dass es sich um
die Nachkommen der ersten Bevölkerungsschicht handelt. Vielfach trifft
dies für die so bezeichnete Menschengruppe zu, beispielsweise für die
Ureinwohner (englisch: Aborigines) von Australien. Auch die Indianer
und die Inuit sind Ureinwohner, weil die ersten Bevölkerungsschichten
auf dem amerikanischen Doppelkontinent darstellen. Naturvölker sind
zumeist auch Ureinwohner, so die "Negritos" in Südostasien, die
Drawidas auf dem indischen Subkontinent, die "Pygmäenvölker" und die
khoisaniden "Buschmannvölker" in Afrika. Eingeborene oder Indigene, um
das aus dem amerikanischen Englisch stammende Wort zu benutzen, sind
Menschengruppen, die seit langer Zeit in ihrem Lebensraum leben.
Ureinwohner sind stets Eingeborene oder Indigene. Nicht alle
Naturvölker sind aber auch Eingeborene, also Indigene, oder gar
Ureinwohner. Als Beispiel seien die so genannten "Buschneger" in Surinam
und Guayana genannt. Entsprechend der üblichen Definition sind die
eingewanderten Maasai in Ostafrika keine Indigenen. Und wie steht es um
die Malayenvölker im indochinesischen Bereich, welche die "Negritos"
fast überall verdrängt haben? Sind sie Indigene? Warum dann sind die
HanChinesen, die oft gleichzeitig mit ihnen Gebiete besetzten, keine
Indigenen? Stammesvölker sind solche Völker, die in Stammesverbänden
leben. Naturvölker sind immer auch Stammesvölker. Das ergibt sich aus
ihren Lebensweisen.
Mit dem Begriff Naturvolk definieren wir Völker, die unabhängig von der industrialisierten Zivilisation den Naturraum bewohnen und diesen weitgehend frei von Technologie nutzen. Die Kopplung an den Technologiebegriff sehen wir deshalb als Grundlage unserer Definition: ist die angewendete Technologie „Natur-schonend“ oder „Natur-zerstörend“... Unsere Definition hat deshalb nichts mit den Begriffen des Romantismus oder „Edlen Wilden“ zu tun!
Naturvölker kennen keine Stadtbildung, und ihre Gesellschaft ist nur gering hierarchisch gegliedert. Spezialisierung in verschiedene Berufsgruppen ist ebenfalls kaum vorhanden. Das Individuum bei Naturvölkern sieht sich als Glied in der Kette der Gemeinschaften. Individuelles Denken und Handeln ist damit nur sehr begrenzt entwickelt, was allerdings unter dieser Vorstellung keineswegs als Einschränkung der Freiheit angesehen wird. Dagegen spielt die soziale und vor allem die verwandtschaftliche Bindung eine große Bedeutung. Auch der Eigentumsbegriff an materiellem Eigentum oder gar Land ist in dieser Vorstellungswelt nicht vorhanden und auch gar nicht definierbar.
In unserer Arbeit respektieren wir uneingeschränkt den Willen und die Selbstbestimmung der Völker und werden erst aktiv, wenn diese sich mit der Bitte um Hilfe an uns wenden!
Naturvölker leben seit vielen Generationen in Stammesgemeinschaften von und in ihrem Lebensraum, der natürlichen Umgebung, ohne diese nachhaltig zu schädigen oder sie zu zerstören. Natürlich verändern Naturvölker auch ihren Lebensraum, jedoch geben sie ihm die entscheidende Möglichkeit zur Regeneration. Damit unterscheiden sie sich von anderen Völkern beziehungsweise von der industrialisierten Welt dadurch, dass diese letzteren entweder ihren natürlichen Lebensraum langfristig verändern und damit zwangsläufig zerstören, oder aber keinen fest umrissenen Lebensraum mehr besitzen, da er bereits zerstört ist. Die industrialisierte Welt bezieht beispielsweise ihre Nahrungsmittel immer mehr, in Städten sogar fast ausschließlich, aus Gebieten, die nicht zur unmittelbaren Umgebung gehören und die auch nicht mehr natürlich sind.
Die industrialisierten Völker bezeichnen sich oftmals als Kulturvölker, teilweise auch als Hochkulturen. Mit dem Wort "Hoch" ist die Vorstellung eng verbunden, als seien diese Kulturen etwas Erhobenes, Erhabenes. Demgegenüber gelten Naturvölker als etwas Niedriges. Das drückt sich besonders stark aus in den Wortsynonymen Primitivvölker oder Wilde. Die meisten europäischen Sprachen kennen keine direkte Übersetzung für das Wort Naturvölker. Die englische Übersetzung lautet "primitive peoples", die französische lautet "peoples primitives".
Naturvölker empfinden sich als Teil der Biodiversität ihres Ökosystems. Damit kennen sie Werte an sich, beispielsweise den Wert ihres Ökosystems an sich, das es unbedingt zu bewahren gilt, da sie ja selbst ein Teil davon sind. Eine solche Vorstellung ist in der industrialisierten Welt nicht vorhanden oder allenfalls sehr schwach entwickelt.
Die ausschließliche Lebensform menschlichen Lebens über die Jahrhunderttausende, seit es Menschen gibt bis vor wenigen hundert Generationen, war die der Naturvölker, das heißt der Stammesvölker, die mit ihrem natürlichen Lebensraum weitgehend in Einklang leben. Erst vor höchstens 15 000 Jahren kamen andere Lebensformen hinzu, die sich mehr und mehr ausbreiteten, nach einiger Zeit aber mit ihrem Verschwinden Wüsten oder stark degradierte Landschaften hinterließen. Heute sind noch in allen Gebieten der Erde, wo Menschen permanent leben ausgenommen in Europa, Naturvölker anzutreffen, zumindest in Resten. Sie sind innerhalb der letzten Generationen überall zu Minderheiten geworden. In allen Nationalstaaten stellen sie eine marginale Bevölkerungsschicht dar. Nur in schwerer zugänglichen Urwaldrestgebieten der tropischen und subtropischen Zonen ist ein solches Leben der völlig autarken Wildbeuter heute noch möglich.
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