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West Papua: Avatars Pandora erinnert an Papua Drucken E-Mail
Sunday, 14. March 2010
von FdN   
Image“Es war der Geruch des Todes und des Sterbens. Überall war es dunkel und mein Volk weinte. Unsere heiligen Bäume fielen, brutale, fremdartige Männer trieben massive gelbe Maschinen durch unser Land und unsere Gewässer, sie nahmen unsere Bäume, wir wurden wie eine Herde Tiere hinausgetrieben... Soldaten feuerten auf alles, was sich bewegte, als Hubschrauber über das flogen, was von unserer Heimat übrig geblieben war, sie sandten Blitze voller Flammen um alles niederzubrennen... meine Mutter starb, mein Vater starb. Alles, was mir bleibt, ist eine Erinnerung an zu Hause, und meine Schwester, neben mir heute in dieser Vergessenheit.... Natürlich muss ich zurückgehen und kämpfen. Ich wurde als Kämpfer geboren, und selbst wenn ich als Kämpfer früh sterbe, kämpfe ich immer noch für die Enkel meines Volkes. Diese Garudas werden jeden einzelnen von uns auffressen, bis unsere vergifteten Pfeile das Herz ihrer Habgier treffen. Wir müssen diese Fremden vertreiben und sie daran erinnern, dass dies unser Land ist.“



Ist das eine Schlüsselszene in James Camerons bekanntem Epos Avatar? Nein, es ist die Beschreibung eines Flüchtlings-Studenten (wir nennen ihn Melkias, zu seiner eigenen Sicherheit) von den Ereignissen, die ihn zwangen, aus dem Pandora dieses Planeten, West Papua, zu flüchten. Als ich ihn im Mai 2006 in einem PNG Grenzlager interviewte, beschrieb Melkias mir, was damals passierte, als eine vom indonesischen Militär beschützte und betriebene Holzfällerfirma begann, die Einheimischen aus der Grenzregion Boven Digul zu vertreiben.

“Sie haben ihre Erde zerstört, jetzt kommen sie, um unsere zu zerstören“ sagte Melkias in einer unheimlichen Allegorie zu dem Unterton von Avatar. Papua war einer der letzten paradiesischen Wälder unseres Planeten, aber genau wie Pandora ist es zugleich Lagerstätte natürlicher Ressourcen, und diejenigen, die diese Ressourcen haben wollen, werden vor nichts zurückschrecken sie zu bekommen. Nicht sehr anders als das Mem des Unobtaniums wird die neue Energiequelle Palmöl als die grüne Rettung für den überkonsumierenden Westen verkündigt. Ironischerweise jedoch mag die Abholzung des Waldes zur Anpflanzung der Ölpalmen der letzte kleine Schritt zur endgültigen Zerstörung des Westens sein. Wenn man die durch die Ölpalmen verursachten Schäden direkt vor Ort anschaut, oder sogar über Google Earth, bleibt keinem Betrachter viel Hoffnung.

Avatar zu sehen war für mich unglaublich intensiv und beeindruckend, begründet durch meine persönliche Erfahrung aus der Arbeit neben einheimischen Papua im Widerstand gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung. Das meiste davon ereignete sich bei der direkten Arbeit in Gemeinschaften, die sich unmittelbar an der Front des größten Landraubs in der südlichen Hemisphäre seit der Invasion Australiens befinden. Ich bin inzwischen sicher, dass jeder die Geschichte kennt, aber zuzuschauen, wie das gesamte Publikum die Na’vi unterstütze, war es wert, erfahren zu werden, mit denselben Gefühlen, die während berühmter Aufstände aufkommen (wenn Du auf der Seite der Menschen bist).

Avatar kann als eine hochgradig akkurate Analyse der Interaktion einheimischer Völker mit dem Europäischen Kolonialismus gesehen werden, bzw. mit dem aus dem Westen stammenden System der rohstoffausbeutenden Wirtschaft und ihrer kollateralen Umweltzerstörung. Es gibt so viele Parallelen, dass dieser Film leicht in West Papua spielen könnte; und es sind nicht nur Stammesvölker die glücklich sind, dass ihr Land den „corporate hures“ (Konzernhuren, wie Sully höflich umschreibt) widersteht, die nicht verstehen können, dass einheimische Urvölker nicht gerne für glänzendes Metall oder klebrige Flüssigkeiten massakriert werden.

ImageUnd es sind nicht nur die Wälder, die zerstört werden (und ja, die alten Wälder glühen im Dunkeln). Als Jake Sully das erste Mal auf Pandora ankommt, fliegt er auf das RDA Minengelände, und die gigantischen, mörderischen Superschaufeln füllen den Bildschirm aus, als wachrufende Simulakra der riesigen „planetfucking“ Freeport Grasberg Mine, die zur Hälfte der Rio Tinto Gruppe gehört. Die weltweit größte und reichste Gold- und Kupfermine, umzingelt von Leuten, deren Land zerstört ist, und die immer weiter in dieses Land eindringen, ist auch eine Festung im Belagerungszustand. Genau wie die fiktive RDA auf Pandora ist es die Firma Freeport, die all die Menschenrechtsverletzungen und Gewalt an den Papua durch die indonesischen Sicherheitskräfte ermöglicht und von außen legitimiert. Sie wurde wiederholt auf US-behördlicher Ebene für die Zahlungen von über 35 Milllionen US$ pro Jahr an das Indonesische Militär für Beschützerdienste sowie dem zur Verfügung stellen von Unterkünften und Fahrzeugen bloßgestellt. Wie der CEO der RDA hat auch Freeport einen schamlos von dem glänzenden Metall besessenen Selfridge (oder besser gesagt zwei): Jim-Bob Moffat und Richard Adkerson, die unmittelbar in Menschenrechtsverletzungen in West Papua verwickelt sind.

Seit den anhaltenden Schießereien in der Freeport Region, die mysteriöserweise andauern, obwohl die Schützen vor Monaten (angeblich) verhaftet wurden, haben Adkerson und Moffat Einheiten der Abteilung 88 (indonesische Antiterror-Einheit) aufgefordert, Sicherheitsdurchsuchungen in den acht die Mine umgebenden Distrikten durchzuführen. Maßgebliche Verbrechen wie dem Abbrennen ganzer Dörfer, erzwungene Umsiedlungen, willkürlicher Arrest und standrechtlichen Hinrichtungen während dieser (weiterhin andauernden) Säuberungsmaßnahmen wurden immer wieder glaubhaft von mehreren internationalen Organisationen berichtet. Seit vielen Jahren führt die Nationale Befreiungsarmee West Papuas (Tepenal oder TPN-PB) einen low-level Widerstand gegen die Mineninfrastruktur und ihre ökonomischen Interessen, hat aber ganz öffentlich die Erschießung ziviler Minenarbeiter verurteilt.

ImageDas Volk der Papua ist tief verbunden mit seinem Land, aus dem sein Blut entsprungen ist und auf welches es vergossen wird. Tatsächlich ist der einzige Unterschied zwischen den traditionellen Kriegern in West Papua und den Na’vi ihr Aussehen, besonders ihre Größe. Wie die Na’vi hat auch die OPM einen traditionellen Kampf des Widerstandes organisiert. Aber wie auch bei den Na’vi waren ihre vergifteten Pfeile wirkungslos gegen die Panzer und gegen die reine Brutalität von Papuas Äquivalent zu den Skypeople – der indonesischen Militärmafia und ihren neokonservativen Konzern-Meistern.

Eine Einigkeit entwickelt sich in Papua, wie jeder Avatar-Fan es erwartet hätte, aber sie konzentriert sich auf Gewaltlosigkeit. Sie wächst exponentiell in ihrer Reichweite und Kapazität, und erzeugt eine direkte Bedrohung für die vom indonesischen Militär geführten Konzerninteressen. Sie zieht auch eine Vielzahl von Verbündeten aus der Kultur der Besatzer an. Es wird interessant sein zu sehen, wie die indonesische Regierung auf die Wahrnehmung des Films Avatar in West Papua reagieren wird. Für das indonesische Militär geht eine große Gefahr davon aus, den Film in West Papua zeigen zu lassen, kann er doch leicht und schnell die Einheimischen zum Aufstand inspirieren. Es erzeugt großes Vergnügen zu realisieren, dass der bis heute technisch am weitesten fortgeschrittene Film in seinem Kern anti-kolonial sowie ein Widerstandfilm einheimischer Urvölker ist.

Ich bin nicht sicher ob mein Freund von der Grenze diesen Film gesehen hat, aber ich bin sicher, dass eine Kopie ihren Weg in den Wald zu einem computer-begeisterten Einheimischen finden wird. Melkias hat den Ruf seine Volkes zu kämpfen gehört, und kehrte in den Dschungel zurück um dem einheimischen Widerstand beizutreten und gegen die kolonialen Eindringlinge zu kämpfen. Als Nachfahre traditioneller Waldkämpfer schießt er jetzt einen mächtigen und dennoch gewaltlosen Pfeil der Enthüllung gen Herzen von Indonesiens verletzlichstem Punkt: video-basierte Beweisführung für seine systematische Brutalität gegen einheimische Urvölker. Indem er die Technologie der Eindringlinge übernommen hat, und geführt von seiner Verbindung zu dem Wald, aus dem er kommt, versucht Melkias, vereint mit vielen anderen, etwas zu erreichen, was der Schlussszene in Avatar ähnelt: der vollständige Rückzug derer, die Papua und seine Einwohner zerstören wollen. Lasst uns hoffen, dass er denselben Erfolg hat wie die Na’vi und Jake Sully, sich zu erfreuen an der Befreiung seines Volkes und seines Landes.

Übersetzt aus dem Englischen

fPcN Australien: Nick Chesterfield, Mar-Apr 2010

HELO
www.Helo.Squarespace.com

 
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